
Ausgezeichnetes Handwerk: Regionale Fleischereien setzen Maßstäbe in Qualität und Verantwortung
Fleischerfachgeschäft Kurt Jung & Sohn aus Freilingen auf dem ersten Platz
Welche handwerkliche Spezialität überzeugt am meisten: eine Salami Tiroler Art mit Parmesanmantel, eine feine Bratapfelleberwurst oder ein kreativ interpretierter Hütt´n Gaudi Ü-Weißwurstknödel? Mit dieser Frage beschäftigte sich der Fleischerverband Rheinland-Rheinhessen bei der mittlerweile zwölften Durchführung seiner freiwilligen Selbstkontrolle. Jetzt stehen die Ergebnisse fest.
Im Rahmen eines feierlichen Neujahrsempfangs im Zentrum für Ernährung und Gesundheit in Koblenz wurden die tollen Leistungen der 41 teilnehmenden Betriebe gewürdigt. Insgesamt 229 Proben waren eingereicht worden, und das Ergebnis konnte sich sehen lassen: 195 Auszeichnungen in Gold, 24 in Silber und 7 in Bronze, ergänzt durch sieben Pokale sowie einen Sonderpreis. Anlass genug zum Feiern, den sich auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt nicht entgehen ließ.
Als erfolgreichster Betrieb des Wettbewerbs ging das Fleischerfachgeschäft Kurt Jung & Sohn aus Freilingen hervor. Die Begeisterung über den Gesamtsieg war groß, denn alle acht eingereichten Produkte des Betriebs wurden mit Gold bewertet – mehr Proben darf kein Teilnehmer einreichen.
Die Entscheidung fiel der Fachjury nicht leicht, denn das Qualitätsniveau war durchweg sehr hoch. „Das überrascht uns nicht“, erklärte Alexander Zeitler, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Rheinland-Rheinhessen. „Wer an diesem Wettbewerb teilnimmt, gehört bereits zur Spitze des Handwerks.“ Dennoch galt es, innerhalb dieser Elite weitere Platzierungen zu vergeben: Den zweiten Rang teilen sich der Fleischhof Bayer aus Niederwallmenach, die Landmetzgerei Hellmeister aus Gau-Algesheim sowie die Landschlachterei Siegel aus Kleinmaischeid. Auf dem dritten Platz folgen die Metzgerei Peter Heidger aus St. Sebastian, die Metzgerei Christian Petry aus Bingen und die Landmetzgerei Schares aus Baustert.
Große Aufmerksamkeit erhielt zudem die Landmetzgerei Dobroschke aus Bingen. Mit ihren außergewöhnlichen „Hütt’n Gaudi Ü-Weißwurstknödeln“ sicherte sich Nico Dobroschke den Sonderpreis für das besondere Produkt. Die Idee dazu kam ihm im Urlaub angesichts leckerer Germknödel mit Pflaumenmus, schilderte er lachend. Warum so etwas nicht mal in herzhaft probieren? Etwas Tüftelei in der Experimentierküche war nötig, vor allem, was die Form anbelangt, dann war er fertig: der köstliche Knödel. Das Ü, das er in seinem Inneren birgt, ist ein Kern aus Senfcreme.
Die vergebenen Auszeichnungen sind weit mehr als nur eine Anerkennung für die Betriebe selbst. Sie dienen zugleich dem Verbraucher als wertvolle Orientierungshilfe bei der Auswahl hochwertiger, schmackhafter und verantwortungsvoll hergestellter Fleisch- und Wurstwaren.
In ihrer Rede sprach Landesinnungsmeisterin Dagmar Groß-Mauer offen die aktuellen Herausforderungen des Fleischerhandwerks an. Steigende Ausgaben – etwa für Energie, Verpackungen und Logistik – führten unweigerlich zu höheren Verkaufspreisen, die bei vielen Kundinnen und Kunden an die Belastungsgrenze reichten. Hinzu kämen anhaltende Probleme wie das zu hohe Maß an Bürokratie sowie der Fachkräftemangel. Erfreulich sei jedoch, dass die Zahl der Auszubildenden erstmals seit längerer Zeit wieder zunehme. Mit Blick auf die Diskussionen rund um Umwelt- und Tierschutz unterstrich sie die Haltung des Handwerks: Regionale Wertschöpfung, kurze Transportwege, nachhaltiges Wirtschaften, ein respektvoller Umgang mit dem Tier und Transparenz seien zentrale Grundpfeiler der Betriebe.
In ihrer Festrede warb Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt für einen Perspektivwechsel: „Mehr Vertrauen und weniger Misstrauen“ müsse das Leitmotiv im Umgang mit dem Handwerk sein. Besonders kritisch sah auch sie die zunehmenden bürokratischen Anforderungen. Sie nehme viele hoch engagierte Handwerksfamilien wahr. Die Politik müsse nun daran arbeiten, diesen mehr Freiraum für ihre Arbeit zu verschaffen. Direkt an die anwesenden Meisterinnen und Meister gerichtet hob Schmitt hervor, dass sie echte Genussmomente schaffen – nicht durch industriell gefertigte Massenware, sondern durch handwerkliches Können und Leidenschaft für das Produkt.
Diesen Gedanken griff Ralf Hellrich, Hauptgeschäftsführer der HwK Koblenz, gerne auf. Entscheidend sei nicht Quantität, sondern Qualität: Es gehe um bewussten Genuss statt Überfülle. Wichtig sei, die sorgfältig hergestellten Produkte mit Wertschätzung zu sehen. Den Kunden der regionalen Handwerksbetriebe wird das definitiv nicht schwerfallen. „Wir feiern heute wirklich großartige Leistungen“, freute sich Hellrich mit den Geehrten.
Zum Abschluss der Veranstaltung gab es einen Imbiss. Viele Teilnehmende dürften neben den sichtbaren Zeichen ihres Erfolgs auch mit frischem Rückenwind den Heimweg angetreten haben, um die Auszeichnungen nun mit berechtigtem Stolz ihren Kundinnen und Kunden zu präsentieren.



Fleischerverband Rheinland-Rheinhessen wählte Vorstand
Sie wird auch weiterhin die Geschicke des Fleischerverbandes Rheinland-Rheinhessen leiten: Dagmar Groß-Mauer ist in ihrem Amt als Landesinnungsmeisterin bestätigt worden. Zur Tagung mit Neuwahlen des Vorstandes trafen sich Obermeister und Delegierte im Hotel Moselblick in Winningen.
Deutliche Worte fand die neue und alte Landesinnungsmeisterin, als es darum ging, das Fleischerhandwerk zu positionieren. Die Zeichen der Zeit sollten der Branche eigentlich in die Karten spielen. Auf der einen Seite stehe die Fleischindustrie, die klar vom Handwerk abzugrenzen sei, auf der anderen der gesellschaftliche Trend zur mehr pflanzlich basierten Ernährung. Das Ziel könne nicht sein, die Verbraucher aufzufordern, möglichst häufig tierische Produkte zu konsumieren: „Das wir in Deutschland zu viel Fleisch essen, ist uns allen bekannt.“
Verantwortungsvoller Genuss in Maßen, so müsse das Credo lauten, ist Dagmar Groß-Mauer überzeugt. Klasse statt Masse: „Gutes aus der Region, aus nachvollziehbarer Herkunft, handwerklich verarbeitet“. Ebendies könne das Handwerk liefern - wenn es denn Unterstützung seitens der Politik erhielte.
Anders als erhofft sehe sich der Handwerksunternehmer jedoch einem Dschungel aus Vorschriften, Regelungen und Gesetzen gegenüber. Die Abarbeitung solch überbordender Bürokratie sei allenfalls von großen Unternehmen zu stemmen, nicht aber vom Handwerksbetrieb. Für Kummerfalten sorgen weiterhin die steigenden Energiekosten. Die Strompreisbremse sei für die Fleischerbetriebe zu hoch angesetzt. Durch die Inflation sitze das Geld nicht mehr so locker, Preiserhöhungen mache mancher Kunde nicht mehr mit. Kurz: Das Fleischerhandwerk kämpft.
Alleingelassen fühle sich die Branche. Wenn man „für mehr Regionalität und Tierwohl wirbt, müsste doch jedem vernünftig denkenden Menschen klar sein, dass dann das Fleischerhandwerk und die kleinen bäuerlichen Betriebe gefördert und die Fleischindustrie gestoppt werden müsste“, so Dagmar Groß-Mauer.
Ein Kampfgeist, der bei den Mitstreitern gut ankommt. Einstimmig wurde die Fleischermeisterin aus Kempenich als Landesinnungsmeisterin wiedergewählt. Daneben ist sie Vizepräsidentin des Deutschen Fleischerverbandes und Obermeisterin der Fleischer-Innung Mittelrhein. Ihr Stellvertreter ist Thomas Christian aus Stockum-Püschen. Landeslehrlingswart bleibt Manfred Schmitt aus Trier. Weitere Vorstandsmitglieder sind Peter Klassen, Ulrich Bayer, Peter Hebauer, Stefan Wiersch und Christian Knichel.
Um den Berufsalltag zu erleichtern, referierte Sebastian Karkus über den aktuellen Stand bei der EDV-gestützten HACCP-Dokumentation der LuxQM-App. Berichte, Gesetze, Verordnungen, Schulungsunterlagen: Die Bürokratie wird stets aufwändiger. Die HACCP-Dokumentation, deren Einrichtung für jedes Lebensmittelunternehmen verpflichtend ist, ist ein Kontrollsystem, das hygienische Risiken checkt und gegenüber der Lebensmittelüberwachungsbehörde nachgewiesen werden muss. Um hier nicht in Zettelwirtschaft zu ersticken, wird ein automatisiertes System entwickelt, das das Aufschreiben überflüssig macht und per weniger Klicks einfach bedient werden kann.
Viele weitere Entwicklungen und Ideen kamen bei den Fleischermeistern auf den Tisch. So etwa der vielfache Wunsch, ein Fach rund um Ernährung/ Kochen/ Backen wieder in den Schulen zu etablieren.
Geschäftsführer Alexander Zeitler verwies auf den „Landesehrenpreis für Lebensmittel“, der in diesem Jahr erstmalig auch in RLP vergeben werden soll. Mit ihm werden die hohe Produktqualität von Lebensmitteln ausgezeichnet sowie eine besonders engagierte Betriebsführung.
Dagmar Groß-Mauer betonte noch einmal den besonderen Zusammenhalt, den die Innungen des Landesverbandes in Folge der katastrophalen Ahrflut bewiesen haben. Ein solches Miteinander wünscht sie sich nun auch für die neue Amtsperiode – damit die großen Herausforderungen der Zukunft erfolgreich gemeistert werden können.

Herzhafte Spezialitäten aus Meisterhand prämiert
Das war ein Fest für den Gaumen. 180-mal Gold, 23-mal Silber und 3-mal Bronze: Die Ergebnisse der nunmehr neunten Auflage der freiwilligen Selbstkontrolle, durchgeführt vom Fleischerverband Rheinland-Rheinhessen, sprechen eine eindeutige Sprache. Nachdem eine gestrenge Jury der angenehmen Aufgabe nachkommen durfte, kulinarische Köstlichkeiten wie Hubertus-Pasteten, Chilipeitschen oder Tante Manni´s Rouladen zu verkosten, wurden jetzt im Koblenzer Zentrum für Ernährung und Gesundheit die wohlverdienten Urkunden überreicht.
Weiter gab es Pokale für sieben Handwerksunternehmen. Ihnen gelang es, mit allen acht Proben jeweils die volle Punktzahl von 50 zu erreichen. Und, ganz neu: Erstmalig wurde ein Sonderpokal für das „besondere Produkt“ vergeben, das nicht nur durch die volle Punktzahl, sondern darüber hinaus mit dem gewissen Extra aufwarten konnte. Das besondere Produkt 2022 ist der „Kaffeeschinken“ der Metzgerei Karst aus Uersfeld.
Knapp drei Wochen lang hat Christian Karst mit verschiedenen Aromen experimentiert, erzählt er lachend. Dann kam ihm die Idee, einen Kochschinken mit einem würzigen Rand aus Kaffeemarinade zu versehen, was ihm eine kräftige Note verleiht – offenkundig ein Volltreffer.
37 Mitgliedsbetriebe reichten in diesem Jahr insgesamt 206 Proben an Wurst- und Fleischspezialitäten ein. Lebensmittelchemiker Dr. Wolfram Wendler von Limbach Analytics GmbH - Arotop Laboratorien Mainz bescheinigte dem Getesteten beste Qualität. Das freute auch die rheinland-pfälzische Wirtschaftsministerin Daniela Schmitt, die angereist war, um die Anerkennungen gemeinsam mit Alexander Zeitler, Geschäftsführer des Fleischerverbandes Rheinland-Rheinhessen, zu überreichen.
Es war ein Tag der herausragenden Leistungen. Aber auch ein Tag des Mutmachens. Denn das Fleischerhandwerk durchlebt mit Energiekrise, Inflation, Imageproblemen, Sorgen um Berufsnachwuchs und Lieferschwierigkeiten harte Zeiten. In einer flammenden Rede skizzierte Landesinnungsmeisterin Dagmar Groß-Mauer, in welch rauer See sich das Fleischerhandwerk bewegt. Um auf Kurs bleiben zu können, „müssen wir auf uns aufmerksam machen, den Politikern unsere Ängste und Sorgen erzählen.“ Preisdeckel für Strom und Gas etwa würden dringend benötigt, dabei komme es auf schnelle Hilfe an. Auch Daniela Schmitt unterstrich, dass handwerkliche Familienbetriebe Investitionen wie die Umstellung der Energieversorgung auf sparsamere Alternativen nicht von heute auf morgen leisten können.
Wichtig ist der Landesinnungsmeisterin die Unterscheidung von Fleischerhandwerk und Fleischindustrie. „Wir sind das Fleischerhandwerk“, betonte sie. Gute Qualität aus Meisterhand, Rückverfolgbarkeit, keine internationalen Tiertransporte, sondern Tiere vom Landwirt in der Nähe, Regionalität: All dies werde im Genusshandwerk großgeschrieben. Viele Menschen möchten weniger Fleisch essen, dafür aber gute Qualität, schilderte Dagmar Groß-Mauer. Hier sei der Metzger von nebenan der Ansprechpartner der Wahl. „Wir schaffen das“, unterstrich sie im Hinblick auf die schwierige Lage. „Gemeinsam werden wir auch diese Krise überstehen.“
Dass Aufgeben keine Option darstellt, war auch das Thema von Hans-Peter Durst. Der gebürtige Kaufbeurer kam mit Mut machenden Worten im Gepäck. Denn „niemand dürfte besser wissen als er, was es bedeutet, sich aus einem Tiefpunkt herauszuarbeiten“, kündigte Alexander Zeitler seinen Gast an, der seit einem Unfall 1994 mit körperlichen Beeinträchtigungen lebt. Durst ist ehemaliger Paracycler. Er ist 2-facher Paralympics Goldmedaillengewinner, 9-facher Weltmeister, 3-facher Weltcupsieger und 2-facher Europameister. Aber das ist noch nicht alles. Das Schicksal legte ihm Steine in den Weg. Drei Wochen vor der Teilnahme an den Paralympics in London 2012 kollidierte er mit einem betrunkenen Radfahrer. Folge: Schwere Verletzungen an beiden Händen und Trümmerbruch des linken Daumens. Er startete trotzdem – gewann die Silbermedaille. Auf Platz 1 bei den Paralympics 2016 fuhr er trotz abgebrochenen Sattels. Im Stehen. Daher seine Botschaft an die gebeutelten Handwerker: „Wir hatten alle Tiefpunkte im Leben. Aber es gibt immer einen Ausweg. Haben Sie den Mut weiterzumachen!“
Dies sind die prämierten Betriebe:
Auf Platz 1 landete die Familien-Fleischerei Könen aus Saarburg.
Platz 2 teilen sich Die Wildkammer, Petra und Klaus Nieding, aus Bad Sobernheim, die Fleischerei Martin, Inh. Kai Leonhardt, aus Trier und die Fleischerei Werner Schmitt; Manfred Schmitt, aus Trier.
Platz 3 ging an die Landmetzgerei Dobroschke aus Bingen, die Burgmetzgerei Botte aus Hartenfels und die Fleischerei Günter Schaefer aus Trier.
Den Sonderpreis für „Das besondere Produkt“ erhielt die Metzgerei Karst aus Uersfeld.
Foto: Michael Jordan